Aktuelles

Termine im Überblick

14.09. - 16.09.2018  Kurzreise nach Leeuwarden

18.09.2018 Lesung von Hubertus Meyer-Burckhardt

06.10.2018 Übergabe der Erntekrone an die Stadt Hamburg

05.11.2018 Frauentreff - Besichtigung der Fa. Marker

10.11.2018 Seminar - "sicher auftreten mit mehr Ausstrahlung"

 

 

 

Delegiertenausfahrt: Webstühle, Arbeitswelten und 1500°C

Ein Dankeschön für das geleistete Ehrenamt und eine gute Gelegenheit zum geselligen Austausch und Kennenlernen:

Mit dem Besuch des Tuch- und Technikmuseums in Neumünster begann die Ausfahrt der Delegierten der Hamburger LandFrauen. Der technische Fortschritt, das Wirken der Zünfte im Mittelalter bis hin zu den Auswirkungen der Industrialisierung auf die Menschen in der Arbeitswelt und ihrer Umwelt waren ein reichhaltiges Thema zu dem die ehrenamtliche Museumsführerin Urte Grode viel zu erzählen wusste.

Im Mittelalter arbeiteten alle Familienmitglieder in den Weberfamilien zusammen. Die Wolle wurde von den Kindern, Oma und Opa zehn bis zwölf Stunden am Tag gekämmt. Daraus wurde Garn gesponnen, das wiederum auf den Webstuhl gespannt und zu Tuch verwoben wurde.

Man brauchte acht Kilometer (!) Garn für eine Männerjacke. Acht bis sechzehn Personen waren für alle Arbeitsschritte nötig, damit der Weber kontinuierlich arbeiten konnte. Im Laufe der Zeit wurden Hilfsmittel und Werkzeuge weiterentwickelt, um die Arbeit zu erleichtern. Aus der Handspindel wurde ein Spinnrad, erst mit Hand- dann mit Fußantrieb.

Auch der Webstuhl wurde weiter entwickelt: Die LandFrauen Heidi Willems und Manuela Denker konnten sich am „Twee Mann Stohl“, einem Zwei-Mann-Webstuhl, versuchen. Zwei Weber stehen auf Pedalen die sie abwechselnd treten, das Schiffchen mit dem Garn durch die gespannten Kettfäden „schießen“ und dann anschlagen, also fest zusammen schieben. Den beiden Damen wurde schnell warm bei den anstrengenden Bewegungen. Die Weber mussten das  nacheinander, 20 Mal je Minute im Takt vollführen.

Mit Einführung von immer größeren Maschinen, die mit Dampf betrieben wurden, veränderte sich die Arbeitswelt: Die Zünfte, die die Arbeitsmenge regulierten und so für Arbeitsruhe in den Familien sorgten, fielen weg. Die Produktionsmengen wurden durch Maschinen rasant gesteigert:  Eine Maschine namens „Spinning Jenny“ spann beispielweise bis zu 130 Fäden gleichzeitig und wurde von nur einer Person angetrieben. Die Arbeit von 19 Frauen wurde so durch einen Mann ersetzt. Die Spinnerinnen wurden zu Hol- und Bring-Diensten degradiert. Später, bei noch größeren Maschinen, wurden dann allerdings wieder Frauen eingesetzt. So waren Arbeitswelt und -bedingungen einem stetigen Wandel unterworfen.

Auch die Stadtentwicklung von Neumünster wurde von diesem Wandel maßgeblich beeinflusst. Im Museum zeigt ein Öl- Gemälde die qualmenden Tuchfabriken, die für Wohlstand und Arbeit standen: „Der Schornstein muss rauchen“.  Heute würde man ob der grauen Abgase wahrscheinlich sagen, auf dem Gemälde ist 90% Umweltverschmutzung zu sehen.

Nach dieser interessanten Führung führte die Ausfahrt weiter zum Restaurant „1500° C“ in einem alten Stahlwerk. Gekonnt haben die Macher dieser Location es geschafft, coolen Industriecharme ansprechend und behaglich zu präsentieren. Genialer Lichteinfall durch eine Glasfront und Oberlichter in imposanter Höhe, stilvolles Interieur – eine tolle Atmosphäre. Das Buffet ließ keine Wünsche offen. Die Art der Präsentation auf alten Europaletten, die Salatschüsseln in einer Schubkarre voller Eiswürfel und die Vielfalt des Angebotes begeisterte die LandFrauen.

Nach dem Essen ging es nach Bad Segeberg. Bad Segeberg hat eine hübsche Altstadt und einen idyllischen See. Hier ist Zeit zum Entspannen, Spazieren und für anregende Gespräche. Bei Kaffee und Kuchen mit Seeblick ließen die LandFrauen den sonnigen, warmen Tag ausklingen, bevor der Bus sie wieder sicher nach Hause brachte.

 

Martina Eggers